Kantor & Komponist
Peter Heeren

 

 

Wenn der Materialismus wahr wäre, dann sind auch alle unsere Bewusstseinszustände Fälle und Tatsachen (hier Tatsachen 2. Klasse), die wie alle Tatsachen ihren Platz im Raum-Zeit-Gefüge haben und insofern unvergänglich sind. Der Stein wird dann dort gewesen sein, ist da und war da und das ist zu jeder Zeit wahr. Und so sind auch all unsere Gehirnzustände, mithin alle Erlebnisse (Identitätstheorie), geborgen. Alles wird "gespeichert".

 

Wenn der Materialismus wahr wäre, dann hätte Materie das Bewusstsein konstruiert. Was würde Materie dann noch können (müssen)??
 

Angenommen der Prozess, Ausdehnung des Weltalls, Zusammenziehen des Weltalls, Big  Bang, Big Crunch, etc., würde immer und immer wieder stattfinden, kommen wir nach meiner Rechnung  dem nahe, was Nietzsche "die ewige Wiederkunft des Gleichen" genannt  hat. Jedes Ereignis muss doch seine Wahrscheinlichkeit seines Auftretens haben.  Also z. B. die Wahrscheinlichkeit des Falles, dass ich hier und jetzt aus dem Fenster sehe, musste doch ursprünglich irgendeinen Wert gehabt haben, der sicher nahe an 0 lag,  aber eben nicht ganz 0 sein konnte, denn sonst hätte dieser Fall ja nicht stattgefinden können.
Da der eben beschriebene Prozess: Big- Bang und Crunch aber immerzu stattfinden soll (meine Prämisse), muss dieser, wenn auch geringfügigster Wahrscheinlichkeitswert doch dazu führen, dass sich dieses Ereignis mit großer Wahrscheinlichkeit wiederholt und zwar immer und immer wieder. Also d.h. ewige Wiederkunft des Gleichen + mit allen seinen denkbaren Variationen.

 
Es soll ja so sein, dass uns alles erst nach < 1 Sekunden bewusst wird. Das soll wohl heißen, dass wir alles, was wir wahrnehmen, also sehen, hören, denken, etc. eigentlich < 1 Sekunden her ist; die Welt wird zeitlich versetzt. Mir gefällt irgendwie die Vorstellung, dass die Welt vielleicht nicht < 1 Sekunde, sondern 100 Jahren (oder um irgendeinen anderen Zeitraum) versetzt wird. Es ist aber doch vorstellbar, dass das Gehirn meinetwegen 100 Jahre braucht, um etwas bewusst werden zu lassen. Und es ist besonders dann für mich vorstellbar, wenn man wie ein Materialist das Bewusstsein als Tatsache 2. Klasse ansehen will. Und alles, was nicht undenkbar ist, wird ja mal sein, so jedenfalls verstehe ich einen Aspekt der Chaos-Theorie. So wäre, um doch ein, wenn auch ein schwaches Argument zu nennen, das Leib-Seele-Problem gelöst: es gibt nicht nur keine Seele, sondern es gibt auch keinen Leib (mehr).

 

Ich bewege mich unentwegt, ohne es zu merken: die Erde dreht sich um sich (mit mir), die Erde kreist um die Sonne (mit mir), die Sonne kreist um den Mittelpunkt des Sonnensystems (mit mir), das Sonnensystem dreht sich vielleicht um irgendwelche fernen Massen (mit mir). Wenn ich das Wissen darum ausblende, spüre ich das nicht. Es ist aber anzunehmen, dass das Gleiche mit meiner Wahrnehmung der Zeit geschieht: Es war gerade eben "vor 100 Jahren" (mit mir), nun schon "vor 2000 Jahren" (mit mir), etc., mein Bewusstsein aber illusioniert einen gleichmäßigen Ablauf der Zeit.

Vielleicht ist es so: die Distanzen ändern sich mit Bewegung und in Wirklichkeit sind alle Objekte an derselben, "ursprünglichen" Stelle und das Ganze gilt auch für die Zeit: dann nähmen wir Bewegung ganz anders wahr, als sie an sich wären und das gilt natürlich auch für die Bewegung der Atome in den Gehirnen, also für die Erlebnisse (Identitätstheorie).

 

Das Dasein von Zukunft und Vergangenheit meinen wir durch Ableitung von Bewegung (Uhrzeiger-, Mond, Sonnen-, etc-Bewegung; also Geschwindigkeit = Wegstrecke durch Zeit) - was wiederum "Bewegung" in der Quantentheorie bedeutet, ist auch nicht anschaulich -  ableiten zu dürfen. (Z. B.: jetzt ist der Zug dort, wahrscheinlich war er zu t1 dort und wird vermutlich dann dort zu t2 sein.) Erfahren tun wir aber imer nur die Gegenwart. Vielleicht gibt es aber gar keine Zukunft und Vergangenheit und die apriori Ableitung aus der Bewegung ist ein Fehlschluss. Vielleicht ist Bewegung irgendwie ohne "Zeit" möglich, oder Bewegung, so wie wir sie wahrnehmen, ist eine Illusion.

 

Der Zeitpfeil geht in Richtung Erfahrungsschatz!
Wenn ich z. B. den quantenmechanischen Zustandsvektor eines Elektrons weiß, dann weiß ich nicht die mögliche Messergebnisse. Die weiß ich erst durch Erfahrung und dieser Vorgang ist irreversibel: wenn man ein Messergebnis erfahren hat und deswegen weiß, dann kann man das nicht rückgängig machen.
Diese Bestimmung des Zeitpfeils setzt nicht einen Zeitpfeil voraus. Man erfährt keinen Zeitpfeil, sondern die Erfahrung bestimmt den Zeitpfeil. Das bedeutet, dass Wissen, mithin Bewusstsein, den Zeitpfeil bestimmt.

 

Wenn Zahlen vom Zählen kommen, dann sind mathetmatische Gleichungen nicht zeitlos und "ewig", sondern davon abhängig sind, dass da ein Zähler ist. Damit meine ich, dass  z. B. dei Gleichung 2+2=4 dann nur wahr für ein Bewußtsein wäre. 

 

In einem Vakuum (wo nichts ist) gibt es auch keine Zeit. "Vorher" und "Nachher" bezieht sich auf Ereignisse. In einem Vakuum passiert nichts. (Nach unserer heutigen allgemeinen Auffassung gibt es kein Vakuum.)

 

"So ist es also, Rot zu sehen."  Farben werden von unserem Bewusstsein gemacht. "So lang ist ein Tag."
Was würde denn eine beliebige Zeitspanne ohne Beobachter bedeuten? Vielleicht genau das, was "Rot" ohne Beobachter bedeutet: es gibt kein Rot ausserhalb eines Bewusstseins und es gibt keine Zeitspanne, die "für einen" dauert, ohne es.
Es könnte wohl Zeit an sich geben und irgendetwas, was Zeit im Bewusstsein als notwendig erscheinen lässt, die "gefühlte" Zeitspanne selbst wird aber genauso willkürlich gemacht, wie Farben.


Man kann sich also z. B. ein naturgetreues Duplikat eines Lebewesen, von dem man annimmt, es hätte ein Bewusstsein, vorstellen, es wäre ein Zombie ohne Bewusstsein. Das Duplikat (Zombie) würde denkbar genausogut funktionieren wie das Original (Person). Das Bewusstsein oder was zu erleben ist eigentlich überflüssig. Ein Argument dafür, dass etwas übrig bleiben könnte, wenn der Leib stirbt: das "Überflüssige".


Der Philosoph Wolfgang Deppert lehrt, dass man sein Ende nicht erlebt, weil die Zeit davor (dem Sinn nach) "gedehnt" würde.
Warum sollte aber innerhalb dieses Zeitraumes (z. B. letzte Minute vor dem Ende) irgendetwas im Bewusstsein geschehen: meinetwegen ein neues, "geträumtes" Leben? Es gibt doch dafür keinen Grund, es gibt auch keinen Zweck, es gibt kein Ziel, kein Sinn, es ist doch völlig überflüssig!
Genauso überflüssig wie alle "Träume" der Materie: Evolution.
 

Ich mußte feststellen, daß mir, wenn es mir mal nicht so gut gegangen ist, nicht mal die fröhlichste Musik aufgeheitert hat. Ich merkte irgendwann, daß es nichts bringt, wenn Musik mich aufmuntern will. Das, was mir wirklich in persönlichen Lebenskrisen, die jeder durchmacht, geholfen hat, waren scharfe, klare Gedanken. Diese haben mich befreit.
Nachtrag: wenn man allerdings am Abgrund steht, helfen keine scharfen Gedanken mehr. Dann hilft nur noch Beten.